Wenige Wochen vor Vorlesungsbeginn werben deutsche Hochschulen offen um Studierende. Sie verlängern Fristen, streichen Zulassungsbeschränkungen und öffnen Bewerbungsportale ein zweites Mal. Dahinter steht ein Sondereffekt – und eine Entwicklung, die bleibt.
Am 3. September hat die Berliner Hochschule für Technik ihr Bewerbungsportal noch einmal geöffnet. Zwölf Tage lang können sich Studieninteressierte auf Restplätze in Studiengängen bewerben, die eigentlich einen Numerus Clausus haben. Gibt es mehr Bewerbungen als Plätze, entscheidet das Los. Die Hochschule nennt das Angebot „Last-Minute-Studienplatz“, auf der Startseite steht „Last Call“. In mehreren Bachelorstudiengängen hat sie den NC ganz gestrichen.
Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens beginnt das Semester am 1. Oktober – zwei Wochen nach Bewerbungsschluss. Zweitens liegt die BHT in Berlin, und Berlin hat mit 53,5 Prozent die höchste Quote zugangsbeschränkter Studienangebote in Deutschland. Ausgerechnet dort wirbt eine staatliche Hochschule mit Losverfahren um Nachzügler.
Ein bundesweites Muster
Der Fall steht nicht allein. Die HTW Berlin nimmt Bewerbungen für freie Bachelor- und Masterplätze bis zum 30. September an. Die TH Lübeck hat für zahlreiche Studiengänge bis zum selben Datum verlängert. In ihrer Pressemitteilung heißt es, selten seien die Chancen so groß gewesen, den Wunschstudiengang ohne Wartezeit zu bekommen. Die Hochschule Neubrandenburg verlängert ebenfalls bis Ende September, die Hochschule Osnabrück nahm bis zum 1. September Bewerbungen für Landschaftsentwicklung, Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen und mehrere Masterprogramme entgegen. Die Hochschule Furtwangen hat ihre Frist verlängert. Die Universität Hohenheim führt eine eigene Seite mit verlängerten Fristen und Losverfahren. Die HTW Dresden nimmt Bewerbungen an, bis die Kapazitätsgrenze erreicht ist, und aktualisiert ihre Liste laufend.
Wer sich einen bundesweiten Überblick verschaffen will, findet ihn in der Studienplatzbörse des Hochschulkompasses. Die Datenbank der Hochschulrektorenkonferenz sammelt freie Plätze und wird bis Ende Oktober fortlaufend ergänzt, weil ständig Plätze zurückgegeben werden.
Warum das Jahr besonders ist
Die Hauptursache liegt in der Schulpolitik. Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben von G8 auf G9 zurückgestellt. In diesem Jahr verlässt deshalb kaum ein regulärer Abiturjahrgang die Gymnasien beider Länder.
Die Kultusministerkonferenz hat die Größenordnung vorausberechnet: 2026 fehlen bundesweit rund 42.000 Abiturientinnen und Abiturienten, bei den Erstsemestern sind es etwa 30.300. Im Jahr darauf fehlen noch 7.400, ab 2028 liegen die Zahlen wieder über dem Niveau von 2024.
Bayern hat dieselbe Umstellung ein Jahr früher durchlaufen und liefert damit die Vorschau. Im Wintersemester 2025/26 waren an bayerischen Hochschulen 401.154 Studierende eingeschrieben, 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Nach zehn Jahren kontinuierlichen Wachstums war das der erste Rückgang.
Die Erwartungen der betroffenen Hochschulen fallen entsprechend aus. Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf rechnet für dieses und das kommende Semester mit bis zu 50 Prozent weniger Bewerbungen. Die Ruhr-Universität Bochum verzeichnete im Wintersemester 2025/26 mit rund 4.500 Erstsemestern noch einen deutlichen Anstieg und erwartet jetzt einen Rückgang.
Der Trend hinter dem Sondereffekt
Der fehlende Jahrgang verschärft eine Entwicklung, die länger läuft. Der Numerus Clausus verliert seit Jahren an Gewicht.
Zum Wintersemester 2026/27 sind bundesweit 31,6 Prozent der Studienangebote zugangsbeschränkt, im Bachelor nur 28,7 Prozent. Das ergibt die jährliche Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung auf Basis des HRK-Hochschulkompasses. Im Wintersemester 2017/18 lag die Quote noch bei 42,4 Prozent. Sieben von zehn Bachelorstudiengängen stehen damit allen offen, unabhängig von der Abiturnote.
Zwei Details lohnen den zweiten Blick. Zum einen ist der Hochschultyp als Unterscheidungsmerkmal verschwunden: Universitäten kommen auf 28,5 Prozent zugangsbeschränkte Angebote, Fachhochschulen auf 28,8 Prozent. Zum anderen hat sich selbst in den bundesweit beschränkten Fächern das Verhältnis verschoben. Auf einen Medizinstudienplatz an einer staatlichen Universität kamen zuletzt 3,1 Bewerbende, in Pharmazie 2,8.
Die Länderunterschiede bleiben groß. Nach Berlin folgen Baden-Württemberg mit 46,2 Prozent, das Saarland mit 44,1 und Bremen mit 43,7 Prozent. In Thüringen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz ist dagegen nicht einmal jedes fünfte Angebot beschränkt.
Vier Wege, auf den Rückgang zu reagieren
Aus den dokumentierten Fällen lassen sich vier Strategien unterscheiden.
Die Fristverlängerung ist die häufigste und am schnellsten umsetzbare. Sie verschiebt den Bewerbungsschluss in den September, teilweise bis kurz vor Vorlesungsbeginn, und kostet die Hochschule wenig.
Die Aufhebung der Zulassungsbeschränkung greift tiefer. Die BHT hat in mehreren Bachelorstudiengängen den NC gestrichen, die Ruhr-Universität Bochum in vier Studiengängen, die Universität Duisburg-Essen hat die Zahl zulassungsfreier Angebote erhöht. Diese Entscheidung wirkt über das laufende Verfahren hinaus, weil sie verändert, wie ein Studiengang von außen wahrgenommen wird.
Die zweite Bewerbungsrunde zielt auf jene, die im regulären Verfahren keine Zusage bekamen oder sich spät entschieden haben. Die BHT vergibt diese Restplätze per Los.
Die Kapazität halten schließlich ist die stillste Variante. Die Universität zu Köln und die Christian-Albrechts-Universität Kiel haben angekündigt, ihre Studienplatzzahlen trotz sinkender Bewerbungen nicht zu senken. Bei weniger Bewerbungen sinkt die Zulassungsgrenze dann von selbst.
Was daraus für die Hochschulkommunikation folgt
Wer sich im September bewirbt, passt selten ins Bild der Abiturientin mit langfristigem Studienplan. Es sind Umorientierer, Studienplatzsuchende ohne Zusage, Menschen mit abgebrochener Ausbildung, Spätentschlossene. Sie recherchieren anders, entscheiden schneller und brauchen andere Informationen: belastbare Aussagen zu Frist, Voraussetzungen und Studienbeginn, erreichbare Beratung, einen Bewerbungsweg ohne Hürden. Eine Kommunikation, die auf den Rhythmus des Abiturjahrgangs ausgerichtet ist, erreicht diese Gruppe nicht.
Die Fristverlängerung allein schafft dabei keine Nachfrage. Sie verschafft Zeit. Sichtbar wird der Unterschied zwischen Hochschulen mit eigener Landingpage und klarer Ansprache und jenen, die freie Plätze in einer Tabelle im Bewerbungsbereich auflisten. Die BHT und die TH Lübeck haben aus der Verlängerung eine Kampagne gemacht; andere haben eine Frist geändert.
Auch die Streichung des NC verdient eine zweite Überlegung. Sie senkt die Zugangshürde und erhöht die Bewerberzahl. Gleichzeitig verliert der Studiengang ein Knappheitssignal, das ein Teil der Zielgruppe als Qualitätsmerkmal liest. Wer den NC aufhebt, sollte den frei werdenden Platz in der Kommunikation mit einem inhaltlichen Argument füllen: wofür dieser Studiengang steht, wen er sucht, wohin er führt.
Nach 2028
Der Sondereffekt ist befristet. Ab 2028 steigen die Zahlen laut KMK-Prognose wieder über das Niveau von 2024. Man könnte daraus schließen, es handle sich um ein Übergangsproblem, das sich von selbst löst.
Das greift zu kurz. Die Hochschulen, die jetzt Prozesse für späte Entscheider aufbauen – verständliche Studiengangsseiten, erreichbare Beratung, eine Bewerbung ohne Reibungsverluste –, behalten diese Fähigkeit auch danach. Sie erreichen damit dauerhaft Zielgruppen, die im klassischen Bewerbungsrhythmus durchs Raster fallen: beruflich Qualifizierte, internationale Studieninteressierte, Menschen mit Umwegen in der Bildungsbiografie. Diese Gruppen gewinnen an Bedeutung, wenn die geburtenstarken Jahrgänge vollständig durch das System gewandert sind.
Hier liegt die eigentliche Frage hinter den verlängerten Fristen. Sie lautet nicht, wie eine Hochschule dieses Wintersemester noch füllt, sondern welche Zielgruppen sie kennt und wie gut ihre Wege zu ihnen ausgebaut sind. Beratungsansätze wie die Higher Education Journey-Methode der MAGISTER Hochschulberatung setzen deshalb bei der Definition der Wunsch-Studierenden an. Von dort arbeiten sie die Kontaktpunkte entlang des Entscheidungswegs ab, von der ersten Aufmerksamkeit bis zur Einschreibung.
Wer 2026 lediglich das Datum im Portal ändert, steht 2027 vor derselben Lage. Wer die Gelegenheit nutzt, seine Zielgruppen neu zu vermessen, nimmt aus einem schwierigen Jahr etwas mit, das über 2028 hinaus trägt.
Dieser Text ist mit KI-Unterstützung entstanden.
Quellen (Auswahl): Berliner Hochschule für Technik (Seiten „Last-Minute-Studienplatz“, „Studienplatz“, „Termine und Fristen“); HTW Berlin, TH Lübeck (Pressemitteilung 03.09.2026), Hochschule Neubrandenburg, Hochschule Osnabrück (Pressemitteilung 21.07.2026), Hochschule Furtwangen, Universität Hohenheim, HTW Dresden, Ruhr-Universität Bochum (Newsportal 08.05.2026); CHE Centrum für Hochschulentwicklung, CHECK „Numerus Clausus an deutschen Hochschulen“ (Juni 2026) und hochschuldaten.che.de; Kultusministerkonferenz, Vorausberechnung der Studienanfängerzahlen; Bayerisches Landesamt für Statistik (Juni 2026); HRK Hochschulkompass, Studienplatzbörse Wintersemester 2026/27.
Wenige Wochen vor Vorlesungsbeginn werben deutsche Hochschulen offen um Studierende. Sie verlängern Fristen, streichen Zulassungsbeschränkungen und öffnen Bewerbungsportale ein zweites Mal. Dahinter steht ein Sondereffekt – und eine Entwicklung, die bleibt.
Am 3. September hat die Berliner Hochschule für Technik ihr Bewerbungsportal noch einmal geöffnet. Zwölf Tage lang können sich Studieninteressierte auf Restplätze in Studiengängen bewerben, die eigentlich einen Numerus Clausus haben. Gibt es mehr Bewerbungen als Plätze, entscheidet das Los. Die Hochschule nennt das Angebot „Last-Minute-Studienplatz“, auf der Startseite steht „Last Call“. In mehreren Bachelorstudiengängen hat sie den NC ganz gestrichen.
Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens beginnt das Semester am 1. Oktober – zwei Wochen nach Bewerbungsschluss. Zweitens liegt die BHT in Berlin, und Berlin hat mit 53,5 Prozent die höchste Quote zugangsbeschränkter Studienangebote in Deutschland. Ausgerechnet dort wirbt eine staatliche Hochschule mit Losverfahren um Nachzügler.
Ein bundesweites Muster
Der Fall steht nicht allein. Die HTW Berlin nimmt Bewerbungen für freie Bachelor- und Masterplätze bis zum 30. September an. Die TH Lübeck hat für zahlreiche Studiengänge bis zum selben Datum verlängert. In ihrer Pressemitteilung heißt es, selten seien die Chancen so groß gewesen, den Wunschstudiengang ohne Wartezeit zu bekommen. Die Hochschule Neubrandenburg verlängert ebenfalls bis Ende September, die Hochschule Osnabrück nahm bis zum 1. September Bewerbungen für Landschaftsentwicklung, Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen und mehrere Masterprogramme entgegen. Die Hochschule Furtwangen hat ihre Frist verlängert. Die Universität Hohenheim führt eine eigene Seite mit verlängerten Fristen und Losverfahren. Die HTW Dresden nimmt Bewerbungen an, bis die Kapazitätsgrenze erreicht ist, und aktualisiert ihre Liste laufend.
Wer sich einen bundesweiten Überblick verschaffen will, findet ihn in der Studienplatzbörse des Hochschulkompasses. Die Datenbank der Hochschulrektorenkonferenz sammelt freie Plätze und wird bis Ende Oktober fortlaufend ergänzt, weil ständig Plätze zurückgegeben werden.
Warum das Jahr besonders ist
Die Hauptursache liegt in der Schulpolitik. Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben von G8 auf G9 zurückgestellt. In diesem Jahr verlässt deshalb kaum ein regulärer Abiturjahrgang die Gymnasien beider Länder.
Die Kultusministerkonferenz hat die Größenordnung vorausberechnet: 2026 fehlen bundesweit rund 42.000 Abiturientinnen und Abiturienten, bei den Erstsemestern sind es etwa 30.300. Im Jahr darauf fehlen noch 7.400, ab 2028 liegen die Zahlen wieder über dem Niveau von 2024.
Bayern hat dieselbe Umstellung ein Jahr früher durchlaufen und liefert damit die Vorschau. Im Wintersemester 2025/26 waren an bayerischen Hochschulen 401.154 Studierende eingeschrieben, 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Nach zehn Jahren kontinuierlichen Wachstums war das der erste Rückgang.
Die Erwartungen der betroffenen Hochschulen fallen entsprechend aus. Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf rechnet für dieses und das kommende Semester mit bis zu 50 Prozent weniger Bewerbungen. Die Ruhr-Universität Bochum verzeichnete im Wintersemester 2025/26 mit rund 4.500 Erstsemestern noch einen deutlichen Anstieg und erwartet jetzt einen Rückgang.
Der Trend hinter dem Sondereffekt
Der fehlende Jahrgang verschärft eine Entwicklung, die länger läuft. Der Numerus Clausus verliert seit Jahren an Gewicht.
Zum Wintersemester 2026/27 sind bundesweit 31,6 Prozent der Studienangebote zugangsbeschränkt, im Bachelor nur 28,7 Prozent. Das ergibt die jährliche Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung auf Basis des HRK-Hochschulkompasses. Im Wintersemester 2017/18 lag die Quote noch bei 42,4 Prozent. Sieben von zehn Bachelorstudiengängen stehen damit allen offen, unabhängig von der Abiturnote.
Zwei Details lohnen den zweiten Blick. Zum einen ist der Hochschultyp als Unterscheidungsmerkmal verschwunden: Universitäten kommen auf 28,5 Prozent zugangsbeschränkte Angebote, Fachhochschulen auf 28,8 Prozent. Zum anderen hat sich selbst in den bundesweit beschränkten Fächern das Verhältnis verschoben. Auf einen Medizinstudienplatz an einer staatlichen Universität kamen zuletzt 3,1 Bewerbende, in Pharmazie 2,8.
Die Länderunterschiede bleiben groß. Nach Berlin folgen Baden-Württemberg mit 46,2 Prozent, das Saarland mit 44,1 und Bremen mit 43,7 Prozent. In Thüringen, Brandenburg und Rheinland-Pfalz ist dagegen nicht einmal jedes fünfte Angebot beschränkt.
Vier Wege, auf den Rückgang zu reagieren
Aus den dokumentierten Fällen lassen sich vier Strategien unterscheiden.
Die Fristverlängerung ist die häufigste und am schnellsten umsetzbare. Sie verschiebt den Bewerbungsschluss in den September, teilweise bis kurz vor Vorlesungsbeginn, und kostet die Hochschule wenig.
Die Aufhebung der Zulassungsbeschränkung greift tiefer. Die BHT hat in mehreren Bachelorstudiengängen den NC gestrichen, die Ruhr-Universität Bochum in vier Studiengängen, die Universität Duisburg-Essen hat die Zahl zulassungsfreier Angebote erhöht. Diese Entscheidung wirkt über das laufende Verfahren hinaus, weil sie verändert, wie ein Studiengang von außen wahrgenommen wird.
Die zweite Bewerbungsrunde zielt auf jene, die im regulären Verfahren keine Zusage bekamen oder sich spät entschieden haben. Die BHT vergibt diese Restplätze per Los.
Die Kapazität halten schließlich ist die stillste Variante. Die Universität zu Köln und die Christian-Albrechts-Universität Kiel haben angekündigt, ihre Studienplatzzahlen trotz sinkender Bewerbungen nicht zu senken. Bei weniger Bewerbungen sinkt die Zulassungsgrenze dann von selbst.
Was daraus für die Hochschulkommunikation folgt
Wer sich im September bewirbt, passt selten ins Bild der Abiturientin mit langfristigem Studienplan. Es sind Umorientierer, Studienplatzsuchende ohne Zusage, Menschen mit abgebrochener Ausbildung, Spätentschlossene. Sie recherchieren anders, entscheiden schneller und brauchen andere Informationen: belastbare Aussagen zu Frist, Voraussetzungen und Studienbeginn, erreichbare Beratung, einen Bewerbungsweg ohne Hürden. Eine Kommunikation, die auf den Rhythmus des Abiturjahrgangs ausgerichtet ist, erreicht diese Gruppe nicht.
Die Fristverlängerung allein schafft dabei keine Nachfrage. Sie verschafft Zeit. Sichtbar wird der Unterschied zwischen Hochschulen mit eigener Landingpage und klarer Ansprache und jenen, die freie Plätze in einer Tabelle im Bewerbungsbereich auflisten. Die BHT und die TH Lübeck haben aus der Verlängerung eine Kampagne gemacht; andere haben eine Frist geändert.
Auch die Streichung des NC verdient eine zweite Überlegung. Sie senkt die Zugangshürde und erhöht die Bewerberzahl. Gleichzeitig verliert der Studiengang ein Knappheitssignal, das ein Teil der Zielgruppe als Qualitätsmerkmal liest. Wer den NC aufhebt, sollte den frei werdenden Platz in der Kommunikation mit einem inhaltlichen Argument füllen: wofür dieser Studiengang steht, wen er sucht, wohin er führt.
Nach 2028
Der Sondereffekt ist befristet. Ab 2028 steigen die Zahlen laut KMK-Prognose wieder über das Niveau von 2024. Man könnte daraus schließen, es handle sich um ein Übergangsproblem, das sich von selbst löst.
Das greift zu kurz. Die Hochschulen, die jetzt Prozesse für späte Entscheider aufbauen – verständliche Studiengangsseiten, erreichbare Beratung, eine Bewerbung ohne Reibungsverluste –, behalten diese Fähigkeit auch danach. Sie erreichen damit dauerhaft Zielgruppen, die im klassischen Bewerbungsrhythmus durchs Raster fallen: beruflich Qualifizierte, internationale Studieninteressierte, Menschen mit Umwegen in der Bildungsbiografie. Diese Gruppen gewinnen an Bedeutung, wenn die geburtenstarken Jahrgänge vollständig durch das System gewandert sind.
Hier liegt die eigentliche Frage hinter den verlängerten Fristen. Sie lautet nicht, wie eine Hochschule dieses Wintersemester noch füllt, sondern welche Zielgruppen sie kennt und wie gut ihre Wege zu ihnen ausgebaut sind. Beratungsansätze wie die Higher Education Journey-Methode der MAGISTER Hochschulberatung setzen deshalb bei der Definition der Wunsch-Studierenden an. Von dort arbeiten sie die Kontaktpunkte entlang des Entscheidungswegs ab, von der ersten Aufmerksamkeit bis zur Einschreibung.
Wer 2026 lediglich das Datum im Portal ändert, steht 2027 vor derselben Lage. Wer die Gelegenheit nutzt, seine Zielgruppen neu zu vermessen, nimmt aus einem schwierigen Jahr etwas mit, das über 2028 hinaus trägt.
Dieser Text ist mit KI-Unterstützung entstanden.
Quellen (Auswahl): Berliner Hochschule für Technik (Seiten „Last-Minute-Studienplatz“, „Studienplatz“, „Termine und Fristen“); HTW Berlin, TH Lübeck (Pressemitteilung 03.09.2026), Hochschule Neubrandenburg, Hochschule Osnabrück (Pressemitteilung 21.07.2026), Hochschule Furtwangen, Universität Hohenheim, HTW Dresden, Ruhr-Universität Bochum (Newsportal 08.05.2026); CHE Centrum für Hochschulentwicklung, CHECK „Numerus Clausus an deutschen Hochschulen“ (Juni 2026) und hochschuldaten.che.de; Kultusministerkonferenz, Vorausberechnung der Studienanfängerzahlen; Bayerisches Landesamt für Statistik (Juni 2026); HRK Hochschulkompass, Studienplatzbörse Wintersemester 2026/27.





