Hochschul-PR neu gedacht

PR für Hochschulen

Warum Public Relations im Zeitalter von KI-Suche noch wichtiger wird

Public Relations an Hochschulen war lange eng mit klassischen Anlässen verbunden: eine neue Studie, ein Forschungspreis, ein Wechsel in der Hochschulleitung, ein Jubiläum oder eine Krise. Die Pressestelle bereitete Informationen auf, vermittelte Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, schrieb Meldungen und pflegte Kontakte zu Redaktionen. Diese Arbeit bleibt wichtig. Doch ihr Gewicht verschiebt sich.

Der Grund liegt in einer Veränderung, die sich erst allmählich bemerkbar macht. Studieninteressierte suchen Hochschulen nicht mehr ausschließlich über klassische Suchmaschinen. Sie fragen zunehmend KI-Systeme nach Empfehlungen, Vergleichen und Einschätzungen. Wer nach einem passenden Master in Data Science, einem besonders praxisnahen Ingenieurstudium oder einer Hochschule mit starkem Nachhaltigkeitsprofil sucht, erhält immer häufiger eine zusammengefasste Antwort. Diese Antwort kann darüber entscheiden, welche Einrichtungen überhaupt in Betracht gezogen werden.

Für Hochschulen entsteht damit eine neue Form von Sichtbarkeit. Früher ging es vor allem darum, bei Google gefunden zu werden und Interessierte auf die eigene Website zu führen. Heute stellt sich zusätzlich die Frage, ob eine Hochschule in KI-generierten Antworten vorkommt, wie sie dort beschrieben wird und auf welche Quellen sich diese Beschreibung stützt.

KI-Systeme lesen eine Hochschule nicht wie eine Broschüre. Sie greifen auf öffentlich verfügbare Informationen zurück: Medienberichte, Forschungsseiten, Wikipedia-Einträge, Rankings, Interviews, Podcasts, YouTube-Videos, Fachportale, Alumni-Geschichten, Bewertungsplattformen und Profile von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Aus diesen Spuren entsteht ein Bild. Ist dieses Bild dünn, veraltet oder widersprüchlich, fällt auch die maschinelle Einordnung schwächer aus.

Damit rückt PR näher an die strategische Hochschulentwicklung. Gute Öffentlichkeitsarbeit sorgt nicht allein für Aufmerksamkeit in einem bestimmten Moment. Sie schafft belastbare öffentliche Belege für die Stärken einer Hochschule. Ein Interview mit einer Professorin, ein Fachbeitrag über ein Forschungsprojekt, ein Porträt erfolgreicher Alumni oder eine fundierte Einordnung in einem Wissenschaftsmedium kann langfristig auffindbar bleiben. Solche Inhalte prägen, wie eine Hochschule wahrgenommen wird – von Menschen und zunehmend auch von Maschinen.

Gerade im Wettbewerb um Studierende ist das relevant. Das Studienangebot ist groß, viele Profile ähneln sich auf den ersten Blick. Begriffe wie Praxisnähe, Internationalität, Innovation oder persönliche Betreuung finden sich auf zahlreichen Hochschulwebsites. Entscheidend wird deshalb, ob diese Versprechen außerhalb der eigenen Kommunikation bestätigt werden. Eine Hochschule, die ihre besondere Stärke in Gesundheitswissenschaften, KI, Lehrerbildung, Nachhaltigkeit oder regionalem Transfer überzeugend zeigen will, braucht mehr als eine gut formulierte Studiengangsseite. Sie braucht öffentliche Resonanz.

Diese Resonanz entsteht nicht zufällig. Sie verlangt Themenarbeit. Hochschulen müssen erkennen, welche Forschung, welche Studiengänge, welche Personen und welche gesellschaftlichen Beiträge für Medien, Fachöffentlichkeit und Studieninteressierte relevant sind. Aus dieser Arbeit entstehen Geschichten, die Bestand haben: über Labore, die an konkreten Problemen arbeiten; über Studierende, die ungewöhnliche Wege gehen; über Professorinnen, die komplexe Entwicklungen verständlich erklären; über regionale Kooperationen, die Wirkung zeigen.

Viele Hochschulen verfügen über solche Geschichten. Häufig bleiben sie jedoch in einzelnen Fachbereichen, Newsrubriken oder Projektseiten verborgen. Kommunikation ist vielerorts stark dezentral organisiert. Fakultäten, Studiengänge, Pressestellen, International Offices, Career Services, Forschungszentren und Alumni-Arbeit veröffentlichen eigene Inhalte. Für die Institution kann das lebendige Vielfalt bedeuten. Für Suchmaschinen und KI-Systeme entsteht daraus manchmal ein zerstreutes Bild.

Ein Beispiel: Ein Studiengang kann fachlich hervorragend sein, aber in externen Quellen kaum auftauchen. Eine Professorin kann in ihrem Feld anerkannt sein, aber online nur mit einem kurzen, veralteten Profil erscheinen. Ein Forschungsprojekt kann gesellschaftlich hoch relevant sein, aber nach einer internen Meldung keine weitere Öffentlichkeit erreichen. In solchen Fällen ist die Hochschule fachlich stärker als ihr digitales Echo.

Public Relations kann diese Lücke schließen. Sie verbindet interne Substanz mit öffentlicher Wahrnehmung. Dafür braucht es eine engere Zusammenarbeit zwischen Hochschulleitung, Fakultäten, Studiengangsverantwortlichen, Forschungskommunikation, Marketing und Alumni-Arbeit. Sichtbarkeit entsteht dort, wo Themen über längere Zeit geführt, Personen aufgebaut und Inhalte wiedererkennbar platziert werden.

Besonders wichtig wird die Sichtbarkeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. KI-Systeme erfassen Kompetenz häufig über Personen, die in Medien, Datenbanken, Podcasts, Fachartikeln oder öffentlichen Profilen präsent sind. Forschende, die regelmäßig eingeordnet, zitiert oder interviewt werden, stärken zugleich die Wahrnehmung ihrer Hochschule. Für die Hochschulkommunikation bedeutet das: Professorinnen und Professoren sind nicht nur Expertinnen und Experten für einzelne Pressethemen. Sie sind zentrale Träger des institutionellen Profils.

Das verlangt Fingerspitzengefühl. Wissenschaftskommunikation darf Forschung nicht verkürzen oder überhöhen. Sie muss präzise bleiben, Unsicherheiten benennen und unterschiedliche Perspektiven zulassen. Gleichzeitig muss sie verständlich erklären, warum ein Thema relevant ist. Professionelle PR bewegt sich genau in diesem Spannungsfeld: Sie macht Forschung öffentlich zugänglich, ohne sie in Werbung zu verwandeln.

Auch Plattformen jenseits klassischer Medien gewinnen an Bedeutung. Wikipedia-Einträge, Hochschulpodcasts, YouTube-Formate, Alumni-Magazine, LinkedIn-Profile und Fachportale können zu wichtigen Quellen werden. Sie ersetzen journalistische Berichterstattung nicht, ergänzen sie aber. Entscheidend ist, dass Informationen aktuell, konsistent und belegbar sind. Eine KI kann nur verarbeiten, was öffentlich vorhanden und strukturiert genug ist.

Für Hochschulen bedeutet das einen Perspektivwechsel. PR darf nicht erst aktiv werden, wenn eine fertige Meldung verschickt werden soll. Sie sollte früher eingebunden sein: bei der Entwicklung von Forschungsschwerpunkten, bei der Profilierung von Studiengängen, bei Transferprojekten, bei Berufungen sichtbarer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und bei strategischen Themen der Hochschulleitung. Kommunikation wird dadurch nicht lauter, sondern besser verankert.

Am Anfang steht eine nüchterne Analyse der öffentlichen Spuren. Welche Themen werden mit der Hochschule verbunden? Welche Personen sind sichtbar? Welche externen Quellen beschreiben Studiengänge, Forschung und Profil? Welche Informationen sind veraltet? Welche Wettbewerber erscheinen in KI-Antworten häufiger? Welche Belege fehlen für zentrale Versprechen der Hochschule?

Aus solchen Fragen entsteht eine Kommunikationsarbeit, die über einzelne Kampagnen hinausgeht. Pressearbeit, Website, Suchmaschinenoptimierung, Social Media, Wissenschaftskommunikation, Alumni-Arbeit, Datenpublikationen und audiovisuelle Formate müssen erkennbar auf dasselbe Profil einzahlen. Nicht jeder Kanal ist für jede Hochschule gleich wichtig. Entscheidend ist die Konsistenz des öffentlichen Bildes.

Die neue Rolle von PR ist damit anspruchsvoller geworden. Sie braucht journalistisches Gespür, strategische Klarheit, Datenverständnis und ein gutes Verständnis für die Logik von KI-Suche. Hochschulen, die diese Arbeit ernst nehmen, erhöhen ihre Chance, in relevanten Antwortsystemen vorzukommen. Hochschulen, die ihre öffentliche Präsenz dem Zufall überlassen, riskieren, von anderen beschrieben zu werden – oder gar nicht.

Im Wettbewerb um Aufmerksamkeit entscheidet Sichtbarkeit heute oft früher als bisher. Bevor eine Studieninteressierte eine Website besucht, kann eine KI-Antwort bereits eine Vorauswahl getroffen haben. Für Hochschulen wird deshalb eine Frage zentral: Gibt es im öffentlichen Raum genug glaubwürdige Informationen, damit ihre Stärken überhaupt erkannt werden?

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